Tipps für Turniereinsteiger

Viele Reiter haben den Wunsch, mit ihrem Pferd einmal die bunte Welt des Turniersports zu erkunden. Doch was im ersten Moment sehr leicht aussieht, bedarf einiger Vorbereitung. Denn sehr schnell kann der Traum vom erfolgreichen Turnierreiten zu einem wahren Albtraum werden. Damit das nicht passiert und ihr gut vorbereitet seid, habe ich für euch hier die wichtigsten Tipps zum Turnierreiten zusammengestellt.

Die Vorbereitung

Bevor das erste Turnier genannt werden kann, sollten einige Dinge schon sitzen: Vorweg müsst ihr sicher stellen, dass euer Pferd sich problemlos verladen lässt. Wenn das noch nicht reibungslos klappt, kann das in Verbindung mit der "Turnieraufregung" ziemlich schief gehen. Entweder man kommt man gar nicht erst zu Hause los oder im schlimmsten Fall verletzt sich euer Pferd beim verladen. 

Aber keine Angst, ihr müsst diese Aufgabe nicht allein vollbringen. Sucht euch professionelle Hilfe (Trainer), damit euer Pferd es gleich richtig lernt. Investiert lieber Geld in Verladestunden und spart damit viel Zeit und Stress!

Wenn ihr dann mit eurem Pferd mobil seid, macht schon mal kleinere Touren mit eurem Pferd, damit es lernt, dass fremde Umgebungen kein Problem sind. Zunächst kann man in den Nachbarställen anfragen, ob man mal in ihrer Halle zu Übungszwecken reiten könnte. Die meisten sind sehr nett und haben für einen kleinen Unkostenbeitrag nichts dagegen. 

Als nächsten Schritt nehmt an Kursen, kleinen Hausturnieren oder s.g. Trainings-Days (Reiten unter Turnierbedingungen) teil. So kann man einerseits noch viel Neues lernen und bekommt anderseits mehr Routine im Umgang mit neuen Situationen.   


Die Turnierverbände

Als erstes müsst ihr euch entscheiden, wo ihr Turniere reiten wollt, d.h. in welchem Verband ihr starten wollt. Anders als bei der klassischen Reiterei, wo die Turniere unter dem Dach der FN, der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, stattfinden, gibt es im Westernsport viele verschiedene Verbände.

 

Zunächst gibt es die EWU - die Erste Deutsche Westernreiterunion e.V., die der FN angeschlossen ist. Sie ist ein "rein deutscher" Verband. Dort kannst du mit jeder Pferderasse starten und die Tierschutzregelungen sind auch wie bei der FN. Außerdem werden verschiedene Disziplinen und Jungpferdeprogramme angeboten. Es gibt neben dem Bundesverband, der die German Open (Deutsche Meisterschaft) und die dazugehörigen Qualifikationsturniere (Kategorie AQ) ausrichtet, auch viele Landesverbände (ein oder mehrere Bundesländer schließen sich zu einem Landesverband zusammen). Diese richten sowohl regionale Turniere aus (Kategorie C) als auch die Landesmeisterschaften (Kategorie B). Es gibt fünf Leistungsklassen, wobei die LK 5 die niedrigste und die LK 1 die höhste Leistungsklasse ist. Außerdem wird in Erwachsene (A) und Jungendliche (B) unterschieden. 

 

 

Die NRHA, die National Reining Horse Association, ist ein Verband der nur die Disziplin Reinig anbietet und ist dafür aber deutlich internationaler ausgerichtet. Die NRHA gibt es z.B. auch in Belgien oder Finnland. Zudem gibt es hier auch Regional-Verbände. Hier kann man außerdem auch mit nicht-amerikanischen Pferderassen starten. Das Regelwerk orientiert sich aber eher an den amerikanischen Richtlinien. 

Die Leistungsklassen bestimmen sich nicht nur nach dem reiterlichen Können, sondern auch daran, ob einem das Pferd gehört (Non-pro) auf dem man startet und ob man z.B. professioneller Reiter (Open) ist, d.h. man verdient mit der Reiterei Geld. Zusätzlich gibt es dann noch die Einschränkung Rookie, Limited, etc.. Da geht es darum, wie viel Preisgeld man schon in seiner Turnierkarriere gewonnen hat. 

 

Neben Reinigverbänden gibt es auch andere disziplinspezifische Verbände wie die National Cutting Horse Association, wo nur Rinderklassen angeboten werden, oder die National Snaffle Bit Association, wo es nur Pleasure und Hunter-Klassen gibt.

 

Bei der AQHA (American Quarter Horse Assocaition) und DQHA (Deutsche Quarter Horse Association) sind nur Quarter Horse mit Papieren start berechtigt, außer es wird explizit rasseoffen ausgeschrieben. Anderes als bei der NRHA und der EWU handelt es sich hierbei nämlich auch um einen Zuchtverband, d.h. der Verband regelt auch die Papiere/ Zuchtbestimmungen. Die Regelungen zum Turniersport sind ebenfalls amerikanisch ausgerichtet. Ausführliche Erklärung der Leistungsklassen gibt es hier.

Gleiches gilt auch für die anderen Rasseverbände: PHCG (Paint Horse Club Germany) und APHCG (Appaloosa Horse Club Germany).

 

Dann gibt es außerdem noch regionale Westernverbände wie die Vereinigung der Westernreiter in Bayern e.V (VWB)

 

Die Turnierbestimmungen

Je nach Verband kommen dann einige Bestimmungen auf euch zu. Diese speziellen Bestimmungen findet ihr in den dazugehörigen Regelwerken der Verbände, welche man auf den Homepages der Verbände abrufen kann. 

Folgende Fragen sind aber immer wichtig:

 

Muss ich eine Mitgliedschaft beantragen?

Eigentlich muss man bei allen Verbänden Mitglied sein, um an den Turnieren teilzunehmen. Mitgliedsanträge können auf den Homepages der Verbände heruntergeladen werden. Diese Mitgliedschaften sind an einen jährlichen Mitgliedsbeitrag gebunden. Jugendliche und Studenten bezahlen meistens einen reduzierten Beitrag. Außerdem müssen die Pferde als Turnierpferde bei dem Verband registriert werden. Das zieht eine einmalige Beitragspauschale nach sich. Für Turniereinsteiger gibt es manchmal Ausnahmeregelungen. So kann man bei der EWU in der LK 5 ohne Mitgliedschaft starten. 

 

Welchen Impfschutz braucht mein Pferd? 

Gängig sind halbjährige Impfungen gegen Influenza und Tetanus. Zusätzlich wird Herpes empfohlen. Diese Impfungen bedürfen einer erfolgreichen Grundimmunisierung, die wiederholt fällig wird, wenn man sein Pferd von einem jährlichen zu einem halbjährlichen Impfrhythmus umstellt! Der Impfstatus wird auch zu Beginn jeden Turnieres überprüft. Hat man nur einen Tag zuspät geimpft oder ohne Grundimmunisierung, wird man gnadenlos nach Hause geschickt. 

 

Welche Ausrüstung darf ich benutzen?

Fehlerhafte Ausrüstung führt zur Disqualifikation. Und es ist wirklich ärgerlich, wenn man nach einem tollen Ritt wegen unerlaubter Gamaschen disqualifiziert wird. Explizierte Regelungen existieren insbesondere für Gebisse/Zäumungen und Zügelhaltungen.

 

Wie muss ich Manöver ausführen?

Bestimmte Manöver müssen in einer vorgeschriebenen Art und Weise ausgeführt werden. Ein Verstoß gegen die Bestimmungen bedeutet entweder einen hohen Punktverlust oder Disqualifikation. Ein Beispiel ist das Bewältigen eines Tores im Trail oder das Halten der Führkette in der Showmanship. 

 

Welche Manöver muss ich für die einzelnen Disziplinen können?

Die Regelbücher geben euch ebenfalls Auskunft darüber, was euch in den einzelnen Disziplinen erwartet. Zusätzlich gibt es z.B. bei der EWU auf der Homepage weitere Erklärungen zu den Disziplinen. Das Lesen lohnt sich, da sich dadurch ärgerliche Fehler vermeiden lassen. 


Die Nennung

Nachdem die Mitgliedschaft beantragt ist, das Pferd einen vollen Impfschutz besitzt und man genügen Erfahrung "auswärts" gesammelt hat, kann es mit der eigentlichen Turnierorganisation losgehen. 

Zunächst muss man Turnierorte und Ausschreibungen finden. In Berlin-Brandenburg findet man die Turnierauschreibungen auf der Homepage der Meldestelle Westernreiten, bei Wittelsbuerger oder wieder auf den Seiten der Verbände. 

 

Wichtig ist, dass man sich frühzeitig über die Termine informiert. In der Regel werden die Turnierdaten am Anfang des Jahres veröffentlicht. Da die Turniere oft über mehrere Tage gehen, kann es sein, dass man sich auch mal einen Tag frei nehmen muss, um teilnehmen zu können. 

Auch sollte man den Nennschluss beachten. Insbesondere bei größeren Turnieren kann man oftmals nicht mehr nach Nennschluss nachnennen bzw. es wir eine so genannte "Nachnenngebühr" erhoben.

 

Nennt am Anfang ruhig mehrere Prüfungen. Auch wenn man gut vorbereitet ist, kann bei den ersten Turnieren durch die Aufregung etwas schief gehen. Und das lässt sich nur durch Routine verbessern. Ihr weret merken, dass ihr von Prüfung zu Prüfung sicherer und entspannter werdet.

 

Westernturniere sind in der Regel deutlich teurer als klassische Turniere. Eine typische Kostenübersicht findet ihr auf dem Bild. Die Office-Charge und Steward-Fee müssen immer bezahlt werden. Wenn ihr mit zwei Pferden starten wollt, müssen diese Pauschalen auch doppelt bezahlt werden.

 

Zu diesen Kosten solltet ihr noch Geld für eure Verpflegung und Unterkunft kalkulieren.

Generell müsst ihr euch überlegen, wie ihr mit eurem Pferd auf dem Turnier unterkommen wollt. Die günstigste Variante ist die Pferdeunterbringung auf einem selbstgebauten Paddock (dafür benötigt ihr Zaunstäbe, Litze und ein Weidezaungerät) und für euch das Camping. Vom Veranstalter bekommen alle Teilnehmer eine Wiese mit Wasser- und Heustationen gestellt. Dazu gibt es Dixis oder Toilettenwagen. Nicht immer gibt es auch Duschen, jedoch meistens nur in geringer Anzahl. Im Laufe des Turniers entstehen so richtige kleine Westernstädte, wo auch am Abend oftmals richtig gute Stimmung ist. 

Natürlich könnt ihr eurer Pferd in eine Box stellen, aber das ist dann natürlich mit mehr Kosten verbunden. Jedoch könnte man so auch entspannt im Hotel oder in einer Pension schlafen. 

Für diejenigen, die es praktisch mögen, kann auch ein sauberer Pferdehänger zu einem soliden Schlafplatz werden. 


Vor dem Turnier

Planung ist alles! Circa eine Woche vor dem Turnier erhaltet ihr eure Nennbestätigung von der Meldestelle, einen Zeitplan und die Pattern (Aufgaben) für eure Prüfungen. Für manche Prüfungen wie bei der Reining oder Ranch Riding gibt es auch einen festgelegten Patternpool, aus dem Prüfungen ausgewählt werden. Diese findet ihr vorab entweder im Internet auf den Verbandsseiten  oder in den Regelbüchern. Überprüft auf eurer Nennbestätigung, ob alle Daten und genannten Prüfungen richtig sind. Mit Erhalt der Nennbestätigung kann man die Startgelder schon vorab überweisen (Kontodaten finden sich in der Ausschreibung) oder man entrichtet diese vor Ort. Die Regelungen können aber von Turnier zu Turnier variieren. Deshalb: Ausschreibung immer ganz genau lesen! Falls ihr euch entscheidet zu überweisen, macht es nicht zu spät, damit das Geld auch rechtzeitig ankommen kann. 

 

Wenn diese Fragen geklärt sind, heißt es Pattern üben. Die Pattern bestehen aus einer Zeichnung und einem Text. Hierbei sollte der Text auch bei eindeutigen Zeichnungen nicht außer Acht gelassen werden. Manchmal verstecken sich im Text kleine Fallen wie "rückwärts und verharren", die aus der Zeichnung nicht hervorgehen. Oft sind die Gangarten in englischer Sprache. Daran gewöhnt man sich aber recht schnell. Hier eine Übersicht:

  • walk - Schritt
  • jog - langsamer Trab
  • trot - Arbeitstrab
  • left lead lope/ right lead lope - Linksgalopp/ Rechtsgalopp
  • extended trot/jog bzw. extended lope - Mitteltrab/Mittelgalopp
  • back up - rückwärts
  • side pass - grades seitwärts weichen 

Außerdem muss man sich noch die Frage stellen, was ziehe ich eigentlich an? Jede Disziplin hat ihre eigenen Regeln. Eine tolle Zusammenfassung findet ihr hier auf der Seite von Western Showgirls. 

Grade am Anfang braucht ihr keine neuen Outfits kaufen. Es gibt viele tolle gebrauchte im Internet z.B. in Verkaufsgruppen auf Facebook. 

 

Hier zwei Beispiele: 

 

Nachdem ihr eingekleidet seid, muss auch das Pferd schön gemacht werden. Alles wichtige bekommt ihr bei Profi Tack oder Showtack and more. Auf der Homepage von Showtack findet ihr auch tolle Hinweise zum Grooming (Aufhübschen der Pferde). Aber hier gilt, versucht vieles gebraucht zu kaufen. So bekommt ihr deutlich hochwertigeren Tack für kleines Geld. 


Auf zum Turnier!

Die große Frage ist immer, was brauche ich eigentlich alles? Schreibt euch am Besten eine Liste, damit ihr nichts vergesst. Wenn erstmal vor dem vollgepackten Auto steht, hat man sowieso schon den Überblick verloren.

 

Gerne stelle ich euch meine Liste zur Verfügung, damit ihr einen Überblick bekommt. 

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Checkliste.Westernturnier.pdf
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Hierzu sei gesagt, dass ich so gut wie immer auf dem Turnier campe und meine Pferde auf Paddocks habe. Dafür ist nicht jeder gemacht, aber für mich ist das wie Urlaub.